"Mit jeder Faser"

Reutlingen im Herbst 2003. Ein Au-Pair wird  Opfer eines brutalen Sexualverbrechens. Kommissarin Verena Göbel,  ihr Chef, Erster Hauptkommissar  Martens und die Ermittler der »EG Storlach« tun sich schwer mit der Aufklärung  der Tat. Schließlich stößt Verena Göbel im Zusammenhang  mit ihren akribischen Ermittlungen auf Abgründe in der Familie des verdächtigen Paul Lückner,  die Jahre später in eine Katastrophe münden. Der Autor war als Ermittler an  der Aufklärung  des zugrundeliegenden realen Kriminalfalles beteiligt. Die dargestellten Ermittlungsschritte zeigen realitätsnah und abwechslungsreich die vielen kleinen und großen Schwierigkeiten, die in einer solchen Ermittlung  auftauchen können. Die Namen der handelnden Personen sind ebenso  frei erfunden wie manche Ortsangaben, einige der überraschenden Ereignisse und Wendungen des Falles.  

Über den Autor

FRANK SCHRÖDER geboren in Ebingen, ist Kriminalhauptkommissar und hat vor Jahren selbst an den zugrundeliegenden Ermittlungen mitgewirkt. Nach fast dreißig Jahren Ermittlungsarbeit, schwerpunktmäßig im Bereich von nicht natürlichen Todesfällen ist er nun Fachlehrer für Kriminalistik und Strafrecht an der Hochschule für Polizei, Institut für Ausbildung und Training in Biberach/Riß. 


Jetzt "Mit jeder Faser" mit kostenloser Widmung bestellen: 

KAPITEL 3

Donnerstag, 4. September 2003 – 23:35 Uhr, Storlachsiedlung


Vor dem Fenster war es kühler geworden. Inzwischen atmete er gleichmäßiger, wurde langsam ruhiger. Er sah, wie Hayat das Telefon weglegte und sich auf das Sofa legte, um weiter fernzusehen. Jetzt konnte er nur noch ihre Füße sehen, die über die Sofalehne ragten. Sie wackelte mit ihren Zehen. Die Zehennägel waren dunkel, wahrscheinlich dunkelrot oder schwarz lackiert. Langsam stieg wieder innere Wärme in ihm auf. Als sie entspannt das rechte Bein über die Sofalehne Richtung Fenster legte, steigerte sich das Wärmegefühl hin zum Kribbeln, aber es fühlte sich völlig anders an, als die explosive Wahrnehmung von vor drei Wochen, als sie geklingelt und nach dem Netzwerkkabel gefragt hatte. Sie war wieder viel zu weit weg von ihm, getrennt durch einen betonierten Kellerabgang und eine moderne, isolierverglaste Fensterfront. So funktionierte es nicht, so konnte es nicht funktionieren und so konnte er es nicht herausfinden. 


Es war erst halb elf, zu früh noch. Er konnte noch nicht zu ihr gehen, sie war ja noch wach. Wer wusste wie lange noch. Außerdem hatte er die Tücher noch nicht vorgeholt. Darum drehte er um, ging vorsichtig zur Lücke in der Hecke und trat wieder hinaus auf die Straße. Er blickte sich um, aber es war niemand in der Nähe. Schnell ging er über die Straße zum Haus und öffnete leise seine Garage. Dort drehte er die Sicherung für die Lampe im Hof aus, stieg in den VW-Bus und fuhr los.

Jimdo

You can do it, too! Sign up for free now at https://jimdo.com/